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Geschichte der E-Zigarette – von 1963 bis heute
Die Geschichte der E-Zigarette reicht weiter zurück, als viele vermuten. Bereits in den 1960er-Jahren wurde in den USA ein Gerät patentiert, das ohne die Verbrennung von Tabak auskommen sollte. Bis daraus die moderne E-Zigarette entstand, die wir heute kennen, sollten allerdings noch rund vier Jahrzehnte vergehen.
Seitdem hat sich die Technik rasant entwickelt: von frühen Konzepten und ultraschallbasierten Geräten über Cigalikes, Cartomizer und Clearomizer bis hin zu regelbaren Akkuträgern, Sub-Ohm-Verdampfern und modernen Pod-Systemen.
In diesem Ratgeber verfolgen Sie die Entwicklung der E-Zigarette von den frühen Vorläufern bis zu heutigen Geräten und erfahren, welche technischen Meilensteine das Dampfen besonders geprägt haben.
Herbert A. Gilbert meldete 1963 ein Patent für eine „rauchlose, tabakfreie Zigarette“ an. Die moderne E-Zigarette wird dagegen vor allem mit dem chinesischen Apotheker Hon Lik verbunden, dessen Entwicklung Anfang der 2000er-Jahre den Ausgangspunkt für den heutigen E-Zigarettenmarkt bildete.
Geschichte der E-Zigarette im Überblick
Die Entwicklung verlief nicht in einem einzigen Schritt. Viele Ideen, technische Verbesserungen und neue Bauformen haben dazu beigetragen, dass aus frühen Konzepten die heutigen E-Zigaretten entstanden.
1963 – Herbert A. Gilbert und ein früher Vorläufer der E-Zigarette
Herbert A. Gilbert meldet in den USA ein Patent für eine „Smokeless Non-Tobacco Cigarette“ an.
Einer der wichtigsten frühen Vorläufer der heutigen E-Zigarette geht auf den US-Amerikaner Herbert A. Gilbert zurück. Am 17. April 1963 meldete er in den Vereinigten Staaten ein Patent für eine sogenannte „Smokeless Non-Tobacco Cigarette“ an. Das Patent wurde 1965 veröffentlicht.
Die Grundidee war für ihre Zeit bemerkenswert: Anstelle von brennendem Tabak und Papier sollte der Nutzer erwärmte, befeuchtete und aromatisierte Luft inhalieren. Dafür sah Gilberts Konstruktion unter anderem ein Heizelement und austauschbare Aromakomponenten vor.
Technisch entsprach das Gerät damit noch nicht den heutigen E-Zigaretten mit E-Liquid, Coil und Verdampfer. Das grundlegende Prinzip, ein rauchähnliches Nutzungserlebnis ohne Tabakverbrennung zu ermöglichen, war jedoch bereits deutlich erkennbar.
Herbert A. Gilbert wird häufig als Erfinder der E-Zigarette bezeichnet. Präziser ist es, seine Entwicklung als einen bedeutenden frühen Vorläufer der modernen E-Zigarette zu betrachten. Das Gerät unterschied sich technisch deutlich von den heute gebräuchlichen Systemen.
Von frühen Ideen zur modernen E-Zigarette
Zwischen Gilberts Patent und dem Beginn der modernen E-Zigarette lagen mehrere Jahrzehnte. In dieser Zeit entstanden verschiedene Konzepte für Produkte, die Nikotin oder ein rauchähnliches Nutzungserlebnis ohne klassische Tabakverbrennung ermöglichen sollten.
Eine breite kommerzielle Verbreitung, wie sie E-Zigaretten später erreichten, blieb diesen frühen Ansätzen jedoch verwehrt.
Erst Anfang der 2000er-Jahre kamen technische Voraussetzungen, Produktentwicklung und ein ausreichend großer Markt zusammen, um die moderne E-Zigarette entstehen zu lassen.
2003 – Hon Lik und die moderne E-Zigarette
Der chinesische Apotheker Hon Lik entwickelt ein elektronisches Aerosolgerät. 2004 kommt ein entsprechendes Produkt in China auf den Markt.
Als entscheidende Persönlichkeit für die moderne E-Zigarette gilt der chinesische Apotheker Hon Lik. Anfang der 2000er-Jahre entwickelte er ein elektronisches System, mit dem eine Flüssigkeit in ein inhalierbares Aerosol umgewandelt werden konnte.
2003 wurde die entsprechende Entwicklung patentiert. 2004 kam in China unter dem Unternehmensnamen Ruyan ein entsprechendes Produkt auf den Markt. Damit begann die kommerzielle Geschichte der modernen E-Zigarette.
Hon Liks ursprüngliche Konstruktion arbeitete noch anders als die meisten heutigen E-Zigaretten. Bei der Aerosolerzeugung spielte Ultraschalltechnik mit einem piezoelektrischen Element eine Rolle. Spätere Geräte setzten zunehmend auf das heute bekannte Prinzip, bei dem eine elektrisch betriebene Heizwendel beziehungsweise Coil das Liquid erhitzt.
Die Idee eines rauchfreien elektronischen Geräts war nicht völlig neu. Hon Liks Entwicklung war jedoch ein entscheidender Ausgangspunkt für die kommerzielle Verbreitung und technische Evolution der modernen E-Zigarette.
Die Heizwendel setzt sich durch
Ein entscheidender Entwicklungsschritt bestand darin, die Aerosolerzeugung mit einer elektrisch erhitzten Heizwendel zu realisieren. Dieses Grundprinzip prägt E-Zigaretten bis heute.
Elektrische Energie aus dem Akku wird dabei an einen Verdampferkopf beziehungsweise eine Coil abgegeben. Das Liquid gelangt über ein geeignetes Trägermaterial zur Heizwendel, wird dort erhitzt und bildet ein Aerosol.
Materialien, Bauformen, Widerstände und Leistungsbereiche haben sich seitdem stark verändert. Das grundlegende Zusammenspiel aus Akku, Liquidversorgung und Heizelement findet sich jedoch weiterhin in vielen modernen E-Zigaretten.
Cartomizer und Clearomizer verändern die E-Zigarette
In den folgenden Jahren wurde insbesondere die Liquidversorgung der Geräte weiterentwickelt. Frühe E-Zigaretten bestanden häufig aus mehreren kleinen Komponenten und erinnerten optisch noch stark an klassische Tabakzigaretten. Solche Modelle werden häufig als Cigalikes bezeichnet.
Der Cartomizer
Beim Cartomizer wurden Heizelement und Liquidreservoir enger miteinander kombiniert. Ein saugfähiges Material speicherte das Liquid und führte es der Heizwendel zu.
Dadurch wurden E-Zigaretten kompakter und die Handhabung einfacher. Der Cartomizer war ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu späteren Tank- und Pod-Systemen.
Der Clearomizer
Mit Clearomizern wurde der Liquidbehälter transparent beziehungsweise zumindest einsehbar. Nutzer konnten dadurch erkennen, wie viel Liquid sich noch im Tank befand.
Bei vielen dieser Systeme wurde das Liquid über Dochte zur Heizwendel transportiert. Unterschiedliche Clearomizer-Bauformen prägten die E-Zigaretten der frühen 2010er-Jahre und bildeten eine wichtige Grundlage für moderne Verdampfersysteme.
510-Anschluss und eGo – E-Zigaretten werden vielseitiger
E-Zigaretten lösen sich zunehmend von der Optik klassischer Tabakzigaretten. Größere Akkus und standardähnliche Anschlüsse eröffnen neue Möglichkeiten.
Einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt stellten Geräte der 510- und eGo-Generation dar. Während frühe E-Zigaretten häufig versuchten, das Aussehen einer Tabakzigarette nachzuahmen, entstanden nun deutlich eigenständigere Bauformen.
Geräte wie die Joye 510 und später die eGo-Familie trugen zur Verbreitung größerer Akkus, manueller Feuertaster und austauschbarer Verdampfer bei.
Besonders prägend wurde der 510-Anschluss. Er entwickelte sich zu einem weit verbreiteten Anschlussstandard zwischen Akkuträgern und Verdampfern und wird in dieser Funktion bis heute bei zahlreichen offenen E-Zigaretten-Systemen verwendet.
Wechselbare Coils und regelbare Akkuträger
In den frühen 2010er-Jahren wurden E-Zigaretten zunehmend leistungsfähiger und flexibler. Ein wichtiger Schritt war die weitere Verbreitung von austauschbaren Verdampferköpfen.
Statt einen kompletten Verdampfer austauschen zu müssen, konnte bei entsprechenden Systemen lediglich der verschlissene Coil ersetzt werden. Das vereinfachte die Wartung und reduzierte die Kosten für Verschleißteile.
Gleichzeitig kamen immer mehr Akkuträger auf den Markt, bei denen sich Spannung oder Leistung einstellen ließ. Dadurch konnten Nutzer das Betriebsverhalten ihrer E-Zigarette innerhalb der für den jeweiligen Verdampfer vorgesehenen Bereiche stärker an persönliche Vorlieben anpassen.
Baumwolle verändert die Liquidversorgung
Auch das Material zur Liquidversorgung entwickelte sich weiter. Bei älteren Verdampfern kamen unter anderem Glasfaserdochte zum Einsatz. Im Laufe der Entwicklung setzte sich bei vielen Coil-Systemen zunehmend Baumwolle als Trägermaterial durch.
Bis heute wird Baumwolle in sehr vielen Fertigcoils und Selbstwickelverdampfern verwendet. Je nach Verdampfer und Coil können jedoch auch andere Materialien oder Materialkombinationen zum Einsatz kommen.
Selbstwickelverdampfer und Dampfen als Hobby
Parallel zu Fertigcoil-Verdampfern entwickelte sich eine zunehmend aktive Szene rund um Selbstwickelverdampfer. Bei diesen Systemen können Nutzer Heizwendel und/oder Watte je nach Bauart selbst einsetzen und austauschen.
Begriffe wie RTA, RDA und später RDTA etablierten sich für unterschiedliche Konstruktionsprinzipien. Für einen Teil der Nutzer wurde die E-Zigarette dadurch nicht nur zu einem Gebrauchsgegenstand, sondern auch zu einem technischen Hobby.
Wicklungen, Widerstände, Luftführung und Verdampferkammern wurden weiterentwickelt und boten zahlreiche Möglichkeiten zur individuellen Konfiguration.
2014 – Sub-Ohm-Dampfen erreicht den Massenmarkt
Leistungsfähige Sub-Ohm-Tanks machen niedrige Coil-Widerstände und ein deutlich offeneres Zugverhalten einem größeren Nutzerkreis zugänglich.
Einen weiteren Meilenstein stellte die Verbreitung serienmäßiger Sub-Ohm-Verdampfer dar. Als Sub Ohm werden Widerstände unter 1 Ohm bezeichnet.
Ein bekanntes Beispiel dieser Entwicklung war der Aspire Atlantis aus dem Jahr 2014. Solche Fertigcoil-Tanks ermöglichten niedrige Widerstände und höhere Leistungen, ohne dass Nutzer ihre Heizwendlungen zwingend selbst herstellen mussten.
Dadurch wurde ein offeneres Zugverhalten mit größerem Luftdurchsatz und typischerweise höherem Liquidverbrauch einem breiteren Nutzerkreis zugänglich. Gleichzeitig gewann das direkte Lungendampfen – DL beziehungsweise Direct Lung – deutlich an Bedeutung.
Das DL-Dampfen wurde nicht erst 2014 mit dem Aspire Atlantis „erfunden“. Sub-Ohm-Fertigcoil-Tanks machten diese Art des Dampfens jedoch wesentlich einfacher zugänglich und trugen stark zu ihrer Verbreitung bei.
MTL, RDL und DL – Geräte werden spezialisierter
Mit der wachsenden Gerätevielfalt entstanden zunehmend unterschiedliche Konzepte für verschiedene Zugtechniken. Heute werden vor allem MTL, RDL und DL unterschieden.
Der elektrische Widerstand einer Coil allein bestimmt dabei nicht, für welche Zugtechnik ein Gerät geeignet ist. Auch Luftführung, Leistung, Verdampferkonstruktion und die vom Hersteller vorgesehene Verwendung spielen eine wichtige Rolle.
2014 bis 2016 – E-Zigaretten werden in der EU reguliert
Mit der europäischen Tabakproduktrichtlinie erhalten E-Zigaretten und nikotinhaltige Nachfüllbehälter einen spezifischen regulatorischen Rahmen.
Mit dem Wachstum des E-Zigarettenmarktes nahm auch die Regulierung zu. Eine zentrale Rolle in der Europäischen Union spielt die Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU.
Die Richtlinie trat 2014 in Kraft. Die entsprechenden nationalen Vorschriften mussten von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden und waren ab dem 20. Mai 2016 anzuwenden.
Artikel 20 der Richtlinie enthält spezifische Regelungen für E-Zigaretten und Nachfüllbehälter. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zu nikotinhaltigen Liquids, Behältergrößen, Produktinformationen und Meldungen.
Aus einem zunächst weitgehend neuen und schnell wachsenden Produktsegment wurde ein zunehmend regulierter Markt mit spezifischen gesetzlichen Anforderungen.
Pod-Systeme – zurück zu kompakteren E-Zigaretten
Nachdem E-Zigaretten über Jahre immer leistungsfähiger und teilweise größer geworden waren, entwickelte sich ab der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre parallel ein gegenläufiger Trend: kompakte und einfach zu bedienende Pod-Systeme gewannen stark an Bedeutung.
Bei einem Pod-System werden Liquidbehälter und Mundstück typischerweise in einer kompakten Einheit – dem Pod – zusammengefasst. Je nach System ist die Coil fest im Pod integriert oder kann separat gewechselt werden.
Viele Geräte verzichten auf umfangreiche Menüs und Einstellungen. Zugautomatik, automatische Leistungsanpassung und kompakte Bauformen können die Bedienung vereinfachen.
Gleichzeitig entwickelte sich die Pod-Technik weiter. Moderne Systeme decken je nach Gerät längst nicht mehr ausschließlich MTL ab, sondern können auch für RDL oder DL ausgelegt sein.
Wie hat sich die E-Zigarette technisch verändert?
Vergleicht man die ersten kommerziellen E-Zigaretten mit heutigen Geräten, wird deutlich, wie stark sich die Technik innerhalb weniger Jahrzehnte verändert hat.
Geschichte der E-Zigarette – häufige Fragen
Wer hat die E-Zigarette erfunden?
Darauf gibt es keine ganz einfache Antwort. Herbert A. Gilbert meldete bereits 1963 ein Patent für eine rauchlose, tabakfreie Zigarette an. Als Entwickler der modernen kommerziellen E-Zigarette gilt vor allem der chinesische Apotheker Hon Lik, dessen Entwicklung aus dem Jahr 2003 ab 2004 in China vermarktet wurde.
Wann wurde die erste E-Zigarette erfunden?
Ein bedeutender früher Vorläufer wurde 1963 von Herbert A. Gilbert zum Patent angemeldet. Die moderne E-Zigarette entstand rund vier Jahrzehnte später Anfang der 2000er-Jahre.
Wann kam die moderne E-Zigarette auf den Markt?
Hon Liks Entwicklung stammt aus dem Jahr 2003. Ein entsprechendes Produkt wurde 2004 unter dem Namen beziehungsweise Unternehmensumfeld Ruyan in China auf den Markt gebracht und später international verbreitet.
Was war der Aspire Atlantis?
Der Aspire Atlantis war ein 2014 erschienener Sub-Ohm-Fertigcoil-Tank. Er gehörte zu den Geräten, die leistungsstärkeres Dampfen mit niedrigen Coil-Widerständen für einen breiteren Nutzerkreis einfacher zugänglich machten und damit die Verbreitung des direkten Lungendampfens unterstützten.
Seit wann sind E-Zigaretten in der EU reguliert?
Die EU-Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU trat 2014 in Kraft. Die entsprechenden Vorschriften waren nach Umsetzung in nationales Recht ab dem 20. Mai 2016 anzuwenden. Artikel 20 der Richtlinie enthält spezielle Vorgaben für E-Zigaretten und Nachfüllbehälter.
Was sind moderne Pod-Systeme?
Pod-Systeme sind kompakte E-Zigaretten, bei denen Liquidbehälter und Mundstück typischerweise in einem austauschbaren oder nachfüllbaren Pod zusammengefasst sind. Je nach Modell kann die Coil fest integriert oder separat austauschbar sein. Moderne Pod-Systeme sind für unterschiedliche Zugtechniken erhältlich.
Geschichte der E-Zigarette – die wichtigsten Meilensteine
Zwischen Herbert A. Gilberts Patentanmeldung von 1963 und heutigen Pod-Systemen liegen mehr als sechs Jahrzehnte technischer Entwicklung. Aus frühen Konzepten entstanden zunächst kommerzielle E-Zigaretten, später austauschbare Verdampfer, regelbare Akkuträger, Sub-Ohm-Systeme und schließlich eine große Vielfalt kompakter Pod-Geräte.
Die Geschichte der E-Zigarette ist deshalb weniger die Geschichte einer einzigen Erfindung als eine fortlaufende Entwicklung vieler technischer Ideen.